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So spielt ihr Nintendo-64-Klassiker auf moderner Hardware ohne Emulatoren

606 Sterne

Erinnert ihr euch noch daran, wie wir stundenlang über klobigen Röhrenfernsehern saßen und versuchten, alle Sterne in Super Mario 64 zu sammeln? Emulatoren haben das Nostalgie-Problem teilweise gelöst, aber sie brachten immer ihre eigenen Nachteile mit sich: Eingabelatenz, Grafikfehler und endloses Basteln an Plugins. Kürzlich bin ich auf das Ghostship-Projekt vom HarbourMasters-Team gestoßen, das einen grundlegend anderen Ansatz bietet. Es ist kein Emulator, sondern ein vollständiger nativer Port des Spiels auf moderne Plattformen.

Was macht einen nativen Port so reizvoll

Wenn wir ein Spiel durch einen Emulator ausführen, verschwendet der Computer Ressourcen darauf, eine Konsole zu „simulieren". Ghostship geht einen anderen Weg. Die Entwickler haben den dekompilierten Spielcode genommen und ihn direkt auf Windows, Linux und macOS zum Laufen gebracht.

Dadurch ergeben sich mehrere coole Vorteile. Erstens erhaltet ihr echte Unterstützung für DirectX 11, OpenGL und sogar Metal für Mac-Nutzer. Zweitens läuft das Spiel mit minimaler Eingabelatenz, was für ein Plattformer entscheidend ist. Aber das Interessanteste ist die Mod- und Custom-Asset-Unterstützung, die ihr einfach durch Ablegen von Dateien in einem Ordner aktiviert.

Was das Projekt kann

Ghostship basiert auf der libultraship-Engine. Sie fungiert als Übersetzungsschicht, die Nintendo-64-Hardwareaufrufe in die Sprache moderner APIs umwandelt.

Hier ist, was ihr standardmäßig erhaltet:

  • Echtes Widescreen-Auflösung ohne Bildverzerrung.
  • Moderner Gamepad-Support und flexible Tastaturkonfiguration.
  • Mod-System über .o2r- und .otr-Dateien.
  • Möglichkeit, während des Spielens mit der Tab-Taste zwischen Standard- und Alternativ-Assets zu wechseln.

Interessanterweise haben die Entwickler auch an Handheld-Konsolen gedacht. Es gibt einen Build für die Nintendo Switch, auch wenn ihr weiterhin einen PC benötigt, um die Spiel-Assets zu generieren.

So führt ihr es aus, ohne das Gesetz zu brechen

Die Projektautoren nehmen Urheberrecht sehr ernst. Im Repository befindet sich kein einziges Byte von Nintendos geschütztem Inhalt. Um zu spielen, müsst ihr euch selbst einen Spiel-Dump (ROM) besorgen.

Der Ablauf sieht folgendermaßen aus:

  1. Holt euch euer Spielimage im .z64-Format (amerikanische und japanische Versionen werden unterstützt).
  2. Überprüft die SHA-1-Prüfsumme. Für die US-Version lautet sie 9bef1128717f958171a4afac3ed78ee2bb4e86ce.
  3. Startet Ghostship.exe, zeigt auf die ROM, und das Programm extrahiert automatisch die notwendigen Ressourcen und erstellt eine funktionierende Version.

Übrigens, wenn euer Image im .n64-Format vorliegt, müsst ihr es zuerst in .z64 konvertieren. Die README enthält einen Link zu einem einfachen Tool dafür.

Technische Details und Anpassung

Wenn ihr an den Einstellungen herumbasteln wollt, werft einen Blick in die Ghostship.cfg.json-Datei. Dort könnt ihr das Graphics-Backend manuell wechseln. Wenn das Spiel zum Beispiel unter Windows abstürzt, versucht die Backend-ID auf 3 (OpenGL) zu ändern. Standardmäßig wird DirectX 11 verwendet (ID 2).

Für alle, die noch weiter gehen und eigene Mods erstellen möchten, bietet das HarbourMasters-Team einen ganzen Werkzeugkasten. Es gibt einen retro-Archiv-Generator und sogar ein fast64-Plugin für Blender. Das bedeutet, ihr könnt buchstäblich Level oder Charaktere in einem 3D-Editor neu gestalten und ins Spiel einbauen.

Powered by libultraship

Lohnt es sich, es auszuprobieren

Wenn ihr nur fünf Minuten spielen und dann vergessen wollt, ist ein Emulator schneller. Aber wenn euch Komfort, hohe Bildrate und die Möglichkeit, voll auf Mods zu setzen, wichtig sind – dann ist Ghostship ein Muss. Das Projekt lebt, wird aktiv von der Community weiterentwickelt, und in den Credits stehen Menschen, die Jahrzehnte damit verbracht haben, Klassiker zu reverse Engineeren.

Für wen ist das definitiv etwas:

  • Alle, die ihre eigene Retro-Gaming-Station auf Basis eines PCs oder Steam Deck aufbauen.
  • Entwickler, die interessiert daran sind zu sehen, wie alter Code an moderne Hardware angepasst wird.
  • Modder, die davon träumen, mit Marios Engine in Blender zu arbeiten.

Der einzige Nachteil ist die spärliche Dokumentation zum Kompilieren aus dem Quellcode für Anfänger. Aber vorkompilierte Binärdateien im Releases-Bereich lösen dieses Problem für 99 % der Nutzer.

Schaut euch ihren Discord an, falls ihr Probleme mit ROM-Hashes habt – die Leute dort sind sehr hilfsbereit, solange ihr sie nicht fragt, wo ihr raubkopierte Spiele herunterladen könnt.

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