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Wie man in 64 Sitzungen ein Betriebssystem mit einem neuronalen Netz schreibt

Ich bin kürzlich auf das VibeOS-Projekt gestoßen, und es hat eine faszinierende Mischung aus Begeisterung und leichtem Neid geweckt. Der Autor beschloss, ein vollwertiges Betriebssystem für ARM64 von Grund auf neu zu schreiben. Aber das Interessanteste daran ist nicht einmal das. Er hat es in Partnerschaft mit Claude Code getan und den gesamten Prozess dokumentiert — von der ersten Codezeile bis zum Ausführen von DOOM.

Das ist kein einfaches „Hello World"-Spielsystem. Wir sprechen hier von einem Projekt mit einer macOS-artigen GUI, einem eigenen Netzwerk-Stack, HTTPS-Unterstützung und sogar einem integrierten Python-Interpreter.

Was ist das überhaupt

VibeOS ist ein Hobby-Betriebssystem, geschrieben in C für die aarch64-Architektur. Es läuft im QEMU-Emulator und auf echter Hardware, speziell dem Raspberry Pi Zero 2W. Die Entwicklung erfolgte in 64 KI-Interaktionssitzungen. Wenn man sich die Sitzungsprotokolle im Repository ansieht, kann man nachverfolgen, wie das Projekt Substanz gewann: vom Bootloader und der Interrupt-Behandlung bis zur Implementierung des Window Managers.

VibeOS Desktop

Der Autor gibt ehrlich zu: Nicht alles funktioniert, einige Teile des Codes wurden noch nicht einmal getestet. Aber das, was läuft, ist beeindruckend. Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie moderne LLMs die Einstiegshürden in so komplexe Bereiche wie Systems-Programmierung und Kernel-Entwicklung senken.

Was drin steckt: Kernel und Interface

Im Kern befindet sich ein eigener Kernel mit kooperativem Multitasking. Es gibt FAT32-Dateisystem-Unterstützung mit langen Dateinamen, was für selbstgemachte Systeme oft ein Stolperstein ist.

Die GUI sieht überraschend modern aus. Hier ist, was enthalten ist:

  • Desktop mit verschiebbaren Fenstern.
  • Dock-Panel und Menü.
  • Vollständige Maus- und Tastatureingabe.
  • Animierungen zum Minimieren und Schließen von Fenstern.

Terminal

Visuell ähnelt es einer vereinfachten Version von macOS, und für ein System, das „zum Spaß" geschrieben wurde, sieht es sehr poliert aus.

Netzwerk und Entwicklung innerhalb des Systems

Normalerweise sind selbstgemachte Betriebssysteme auf Textausgabe in der Konsole beschränkt. VibeOS ging weiter. Das System hat einen eingebauten TCP/IP-Stack, einen DNS-Resolver und sogar einen HTTP-Client mit TLS-1.2-Unterstützung. Dadurch kann der eingebaute Browser (ja, er existiert) einfaches HTML und CSS rendern.

Aber das, was meine Aufmerksamkeit am meisten erregt hat, sind die Entwicklungstools innerhalb von VibeOS selbst:

  1. Tiny C Compiler (TCC). Du kannst C-Code direkt im System schreiben und sofort kompilieren.
  2. MicroPython. Es gibt Bindings zur Kernel-API, sodass du Aufgaben in Python automatisieren kannst.
  3. VibeCode IDE. Eine VS Code-ähnliche Alternative für dieses System.

VibeCode

Und natürlich der Klassiker: DOOM wurde auf VibeOS portiert. Um es auszuführen, musst du die doom1.wad-Datei selbst finden und in den Spiele-Ordner legen, aber die Tatsache, dass der Port existiert, spricht für die Funktionsfähigkeit der Systemaufrufe.

Hardware und betriebliche Feinheiten

Wenn du dich entscheidest, dies auf einem Raspberry Pi Zero 2W auszuführen, mach dich auf Abenteuer gefasst. Der Autor warnt, dass der USB-Treiber heikel ist. Zum Beispiel musst du die Tastatur strikt vor der Maus in den Hub einstecken, sonst erkennt das System sie möglicherweise nicht. Hotplug wird nicht unterstützt: Wenn du etwas absteckst, musst du neu starten.

Auf dem echten „Pi" gibt es noch keinen Sound oder Netzwerk (keine Wi-Fi-Treiber), aber die GUI in Full HD (1920x1080) läuft stabil.

Wie man es selbst ausprobieren kann

Der einfachste Weg ist, das Projekt in QEMU auszuführen. Du brauchst einen Cross-Compiler aarch64-elf-gcc. Auf macOS sieht die Installation einfach aus:

brew install aarch64-elf-gcc qemu
make disk
make run

Der make disk-Befehl erstellt ein Disk-Image, und make run baut den Kernel, alle Benutzerprogramme und startet den Emulator.

Wem das nützen wird

VibeOS ist kein Linux-Ersatz oder ein Anwärter auf einen „Windows-Killer". Es ist in erster Linie ein Lehrbuch. Wenn du schon immer verstehen wolltest, wie Interrupts funktionieren, wie man einen eigenen Speicherallokator schreibt oder wie man Fenster auf Framebuffer-Ebene verschiebt, ist dieses Repository eine Goldgrube.

Es ist besonders interessant, die Claude-Sitzungsprotokolle zu studieren. Es ist ein praxisnaher Leitfaden für „Prompt Engineering" im Kontext von Low-Level-Code. Du kannst sehen, wo das neuronale Netz Fehler gemacht hat und wie der Autor es angeleitet hat, Bugs in Treibern oder dem Dateisystem zu beheben.

Das Projekt lohnt sich zumindest zu erkunden, um zu sehen: Ein eigenes Betriebssystem zu erstellen, ist heute nicht ein Jahrzehnt in Klausur, sondern ein durchaus machbares Projekt von wenigen Monaten, wenn man die richtigen Werkzeuge zur Hand hat.

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